Der tägliche Wahnsinn...

…oder die Irrwege des Lebens

Es gibt Tage, da funktioniert alles wie von selbst.
Ich komme gut voran, Dinge greifen ineinander, und dieses Gefühl entsteht, dass ich nicht mehr weit davon entfernt bin, mir selbst Arbeit abzunehmen.
Dass ich an einen Punkt komme, an dem wieder mehr Leichtigkeit da ist.
An dem ich wieder mehr ich selbst sein kann.

Und dann gibt es diese anderen Tage.
Tage, an denen plötzlich nichts mehr funktioniert.

Du hattest gerade noch gute Momente, warst im Flow, dachtest, jetzt läuft es –
und auf einmal sitzt du da und denkst: Fuck. Was ist hier gerade passiert?
Nichts geht mehr so, wie es soll.

Du sitzt den ganzen Tag im Büro, arbeitest und arbeitest –
und trotzdem wirft es dich nicht nur um Stunden, sondern um Tage zurück.
Plötzlich sind da wieder unzählige offene Aufgaben, die du gar nicht so schnell bewältigen kannst.
Alles kommt gleichzeitig.
Und es überrennt dich

Zurück zu mir?

Die letzten Monate, eigentlich fast schon Jahre, habe ich damit verbracht, mich selbst neu zu sortieren.
Gerade in den letzten Monaten versuche ich bewusst, wieder näher zu mir selbst zu kommen.
Mir Freiräume zu schaffen.
Mir zu erlauben, nicht nur zu funktionieren.

Und dann wird wieder alles über den Haufen geworfen.

Irgendetwas funktioniert nicht, irgendetwas läuft schief –
und du stehst da und denkst: Schmeiß doch einfach alles hin.
Du kannst gar nicht mehr du selbst sein, weil so viele Aufgaben gleichzeitig auf dir lasten.

Jahre…

Ich habe viele Jahre in einer Firma gearbeitet, mit voller Leidenschaft.
Auch dort gab es Deadlines, Dinge, die fertig sein mussten.
Aber selbst wenn etwas mal nicht geklappt hat – und das kam selten vor –
fühlte sich das alles anders an.

Heute habe ich so viele wichtige Dinge selbst auf die Beine gestellt.
Dinge, die Verantwortung mit sich bringen.
Und wenn dann etwas nicht funktioniert, dann ist das nicht einfach ärgerlich.
Dann fühlt es sich fast tödlich an.

Das darf nicht schiefgehen.
Das muss funktionieren.
Ich muss funktionieren.

Ich erstelle Excel-Dateien in einer Komplexität, an der ich seit vielen Monaten arbeite.
Mit VBA-Programmierung, unzählige Formeln, GoBD-konform, angepasst an meine Realität.
Ich habe eine Liga gegründet.
Ich organisiere Turniere, die ich sauber fürs Finanzamt abrechnen muss –
in unterschiedlichen Spielstätten, mit unterschiedlichen Strukturen.

Ich schreibe Rechnungen.
Ich berechne Preisgelder.
Alles muss stimmen.
Alles muss nachvollziehbar sein.
Alles muss halten.

Und dann kommt etwas, das ich eigentlich seit Jahren mache.
Etwas, das ich gut kann.
Eine Webseite erstellen.
Easy. Kein Hexenwerk.

Du denkst: Das kostet mich eine halbe Stunde, dann ist die Seite live.
Und weit gefehlt.

Der ganze Tag ist vorbei.
Am Ende ist die Seite zwar live –
aber auf einer einzigen Seite stimmt plötzlich alles nicht mehr.
Layout, Darstellung, irgendetwas ist kaputt.
So absurd, so wirr.

Und währenddessen bleibt die Hälfte der Arbeit liegen, die du eigentlich erledigen wolltest

Der Wunsch…

An solchen Punkten merkst du, wie sehr dir etwas fehlt.
Wie sehr du dir wünschst, einfach zum Telefon greifen zu können.
Jemanden anzurufen, bei dem du weißt: Der ist da.

Dass du sagen könntest:
Jetzt rufst du jemanden an, für den du immer da warst.
Und hoffst, dass dieser Mensch jetzt auch für dich da ist.

Aber das geht nicht mehr.
Das ist vorbei.

Und genau dann machst du irgendwann den Computer aus.
Nicht, weil alles erledigt ist.
Sondern weil nichts mehr geht.

Du sagst dir, jetzt fährst du runter, jetzt brauchst du Abstand, jetzt musst du irgendetwas anderes machen, um den Kopf frei zu kriegen.
Und ohne groß nachzudenken öffnest du Social Media.

Und da steht er plötzlich.
Ein Beitrag. Eine Meldung.
Von einer Firma, in der du jahrelang intensiv involviert warst.
Eine neue Entwicklung. Ein weiterer Schritt nach vorne.

Von Menschen, für die du Anker warst.
Stütze. Rückendeckung.
Menschen, für die du immer da warst.

Und du wünschst dir in diesem Moment, du hättest es nicht gesehen.

Denn genau das sind die Augenblicke, in denen du dir wünschen würdest, genau diese Menschen um Hilfe bitten zu können.
Und genau das ist der Moment, in dem du es nicht kannst.

Weil sie dir alles genommen haben.
Weil sie dich haben fallen lassen.
Und weil du diesen Schritt nicht gehen kannst – nicht gehen darfst –, dort um Hilfe zu bitten, wo dir der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.

Und es wirft dich zurück.
Nicht ein Stück.
Gefühlt um Jahre.

All das, was du eigentlich gerade beiseite geschoben hast, ist wieder da.
Die Erinnerungen. Die Arbeit. Die Nähe. Der Einsatz.
Und das Wissen, dass du dort keinen Platz mehr hast.
Keinen Ansprechpartner.
Keinen Halt

Tage…

Und dann kommen diese Gedanken:
Warum machst du das alles eigentlich?

An solchen Tagen würde ich am liebsten alles hinschmeißen.
Einfach wieder Helga sein.
Ohne Verantwortung. Ohne Druck. Ohne diese permanente Last.

Als ich damals meine Firma hatte – Helgas Modewelt – war vieles so klar.
Ich wusste, was zu tun ist.
Ich hatte mir einen Namen gemacht.
Es gab Saisons, die liefen gut.
Und wenn sie vorbei waren, hatte ich Zeit.
Zeit für mich.
Zeit, um mich in Ruhe auf das Nächste vorzubereiten.

Dann kam Corona.
Ich war involviert in einer anderen Firma, habe dort meine Leidenschaft reingesteckt.
Ich dachte: So ist das Leben. Man geht neue Wege.
Helgas Modewelt wurde Geschichte.
Ich habe losgelassen.

Und dann war plötzlich alles weg.

Also habe ich neu aufgebaut.
Habe angefangen, hier etwas zu machen, dort etwas zu machen.
Habe Ablenkung gesucht – und noch mehr Arbeit.
Und noch mehr Projekte.

Und dann sitzt du da.
Erschöpft.
Leer.
Mit dem Gefühl, dass alles gleichzeitig zu viel ist.

Heute war ich mehrfach den Tränen nahe.
Ich habe gedacht: Helga, das schaffst du nicht.

Jetzt ist der Tag rum.
Und ich hoffe, dass ich es morgen gelöst bekomme.

Was die nächste Zeit bringt?
Ich weiß es nicht.

Es ist dieses ständige Auf und Ab.
Dieses Nicht-Wissen, was kommt.
Dieses Gefühl, nie wirklich Herr der Lage zu werden.

Wann hast du wieder Zeit für dich?
Wann kannst du einfach wieder Helga sein?

Easy?

Für Außenstehende mag das alles einfach aussehen.
Aber es ist so weit davon entfernt, einfach zu sein.

Und vielleicht versteht das niemand.
Aber diese Webseite hier, diese Plattform,
ist mein Anker.

Ein Ort, an dem ich aussprechen kann,
was sonst keinen Raum hat…